Wissenwertes zum Ablauf der kieferorthopädischen Behandlung

Eine behandlungsbedürftige Zahn- und Kieferanomalie kann nicht nur kosmetisch störend und seelisch belastend sein, sondern auch gesundheitliche Beeinträchtigungen mit sich bringen, wie:

  • Kariesanfälligkeit
  • Sprachschwierigkeiten
  • Neigung zu Parodontose und Kiefergelenkbeschwerden
  • Verminderung des Kauvermögens und somit ggf. Magen- und Darmbeschwerden
  • Neigung zu Erkältungskrankheiten, da häufig durch erschwerten Lippenschluß eine Mundatmung besteht

Ziel einer kieferorthopädischen Behandlung ist die Beseitigung der Zahn- und Kieferfehlstellung, um einen bestmöglichen, korrekten Gebißzustand zu erreichen. Dazu müssen je nach Ausmaß der Anomalie Zähne bewegt oder entfernt sowie Kieferform und Kieferlage verändert werden.

Zur Behandlungsplanung benötigen wir genaue diagnostische Analysen. Es müssen unterschiedlichste Befunde zur Funktion der Lippen, der Zunge und der Zahnreihen erhoben, die Stellung des Ober- und Unterkiefers, aber ebenso die Lage der Kiefer zueinander und die Bewegungen der Kiefergelenke geklärt werden. Erst wenn dieses "Puzzle" zusammengesetzt ist, können die einzelnen Therapieschritte geplant, Behandlungsmethode und Behandlungsgerät bestimmt werden.

Behandlungsmethoden sind je nach Fall unterschiedlich: Einmal können Behandlungsapparaturen eingesetzt werden, die der Patient selbst herausnehmen kann (herausnehmbare Spangen). In anderen Fällen werden die Apparaturen fest mit den Zähnen verbunden (sogenannte festsitzende oder Multiband-Apparaturen).

Herausnehmbare Spangen (Platten, Bionatoren) bestehen aus einem Kunststoffkörper mit Metallklammern. Die zusätzliche Anwendung eines Gesichtsbogens kann notwendig sein. Das Regulierungsgerät kann zu Beginn unbequem sein und zu stärkerem Speichelfluß führen. Bei einigem Bemühen gewöhnt man sich aber an die Spange. Eine vorübergehende erhöhte Zahnbeweglichkeit liegt in der Natur der kieferorthopädischen Behandlung und normalisiert sich mit Behandlungsende wieder.

Festsitzende Spangen bestehen aus Metallringen (Bändern), die über die Zähne geschoben und Schlössern (Brackets), die auf die Zähne aufgeklebt werden sowie einem Draht (Bogen), der die Zähne miteinander verbindet. Die festsitzende Apparatur bleibt während der gesamten Dauer der Behandlung im Mund. Die KOSTEN hierfür werden in vielen Fällen von der gesetzlichen Krankenversicherung größtenteils übernommen.

Die Dauer der kieferorthopädischen Behandlung beträgt je nach Art und Ausmaß der Anomalie im Zahn- und Kieferbereich mindestens 1 bis 3 Jahre, manchmal auch 4 Jahre und länger. Während der kieferorthopädischen Behandlung sind wir auf eine gute Zusammenarbeit angewiesen. Wir setzen daher eine regelmäßige und intensive Mitarbeit des Patienten und auch der Eltern voraus; denn sie bestimmt im Wesentlichen den Erfolg der Behandlung.

Mitarbeit bedeutet
  • genaues Befolgen der ärztlichen Anweisungen,
  • ständiges Tragen der speziell angefertigten Behandlungsapparaturen am Tag und in der Nacht. Die Geräte sollen ebenfalls während der Ferien- und Schulfahrten und möglichst auch bei Erkrankungen eingesetzt werden.

Mitarbeit heißt aber auch pünktliches Einhalten der vereinbarten Termine, damit ein ungestörter Behandlungsverlauf gewährleistet ist. Während der Behandlung mit festsitzenden Geräten sind in der Regel alle 4-6 Wochen, bei abnehmbaren Geräten alle 6-10 Wochen Kontrollen notwendig.

Unterbrechungen bringen nicht nur keinen Fortschritt, sondern stellen den alten Zustand mehr oder weniger wieder her. Eine Unterbrechung von wenigen Tagen kann schon einen sichtbaren Rückfall von Wochen und Monaten bedeuten. Deshalb sollte der Wille des Kindes gestärkt und es zu aktiver Mitarbeit angeregt werden.

Ein Abbruch ist von Seiten des Behandlers angezeigt, wenn durch ungenügende Mitarbeit des Patienten "trotz mehrerer Ermahnungen" keine Aussicht auf einen Therapieerfolg besteht.

Sorgfältige Mundhygiene ist während der kieferorthopädischen Behandlung besonders wichtig. Die Behandlungsgeräte selbst schädigen die Zähne nicht. Sie behindern jedoch die Selbstreinigung des Gebisses. Dies gilt insbesondere für festsitzende Apparaturen, da hierdurch zusätzlich Ecken und Winkel entstehen, an denen sich vermehrt Bakterien festsetzen können. Das Risiko von Entkalkungen auf den sichtbaren Außenflächen der Zähne steigt um ein Vielfaches. Deshalb müssen die Zähne nach jedem Essen gründlich gereinigt werden. Geschieht dies nicht, so führen die zu lange auf den Zähnen verbleibenden Beläge (Plaque) zunächst zu einer weißlichen Verfärbung der Zahnoberfläche und später zu Karies. Um diesem bestmöglichst entgegenzuwirken, bieten wir ein auf modernster wissenschaftlicher Basis entwickeltes Vorsorgeprogramm für Ihre Zahngesundheit an.
Unser Programm beinhaltet:

  • Auftragen eines fluoridhaltigen Schutzlackes beim Einsetzen der festen Zahnspange
  • Regelmäßige Zahnreinigung, Politur und Fluoridierung der Zahnoberflächen
  • Erneuerung des Fluoridhaltigen Schutzlackes an Zähnen mit fester Zahnspange

Nach unseren Erfahrungen ist eine umfassende Prophylaxe für eine erfolgreiche kieferorthopädische Behandlung aus medizinischer Sicht unerläßlich. Die Zähne Ihres Kindes sollten es Ihnen Wert sein!

Nach der aktiven Behandlung sind Retentionsapparaturen zum Halten und Verfestigen der erreichten Zahnstellung notwendig. Zusätzlich zu den obligatorischen abnehmbaren Haltespangen empfehlen wir Festsitzende Retainer ('unsichtbare' Haltedrähte). Die Haltedrähte werden hinter die Ober, - und Unterkieferfrontzähnen geklebt und verhindern, dass sich die Zähne nach der Behandlung wieder verschieben. Die Drähte sind für andere Menschen nicht sichtbar und werden nach einer kurzen Eingewöhnungszeit nicht mehr wahrgenommen. Sie sollten frühestens nach Abschluss des Körperwachstums wieder entfernt werden.

Die Allgemeine Zahnbehandlung und Eintragungen in das Bonusheft bleiben in den Händen des Hauszahnarztes.

Die Behandlungskosten belaufen sich für eine Therape mit festsitzende Apparaturen von etwa €1500 bis €3000 pro Kiefer, für eine Behandlung mit herausnehmbaren Spangen von etwa €500 bis €1500 pro Kiefer. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten nur, soweit die kieferorthopädische Behandlung im Leistungskatalog vorgesehen ist. Dies bedeuted nicht nur, dass bestimmte aus medizinischer Sicht sinnvolle Maßnahmen privat in Rechnung gestellt werden müssen, da sie nicht im Leistungskatalog vorgesehen sind, sondern auch, dass darüber hinaus je nach gewünschtem Behandlungserfolg eine Kostenbeteiligung erforderlich werden kann.

Wir sind bemüht, gemeinsam mit Ihnen und zum Wohle Ihres Kindes eine für Sie akzeptabele Gestaltung der kieferorthopädischen Behandlung sowie der finanziellen Abwicklung zu finden.
Gerne stehen wir Ihnen für Rückfragen zur Verfügung. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Ihre Praxis Dr. Gerhard Krause